Chronik der Tiegelschule 
1945 - 1953
(Auszüge aus den Original Chroniken der Tiegelschule) 04.06.1945 Instandsetzung und Einrichtung der kath. Tiegelschule Die vernichtenden Energien nationalsozialistischen Ungeistes rissen das deutsche Volk und Vaterland in die grundloseste Tiefe seines geschichtlichen Seins. Die zerstörenden Kräfte des furchtbarsten aller Kriege wirkten sich besonders verheerend in dem dichtbevölkerten Stadtteil Segeroth aus. Von seinen 7 großen Volksschulen, mit etwa 94 Klassen und etwa 5000 Schülern sowie Hilfsschulen mit 12 Klassen und etwa 300 Hilfsschülern überstanden die Schrecken des Krieges nur die beiden Tiegelschulen mit den Schäden ihrer stark angeschlagenen Gebäude. Die schulischen Anlagen der übrigen Systeme samt ihrer wertvollen Ausstattung endeten um Ruin ihrer Trümmer. Der Grad dieser Verwüstung riß die gleichen Spuren in die Wohn- und Betriebsstätten des Ortsteiles. Ihm entsprach der Schwund der Bevölkerung. Die Militärregierung verfügte die Instandsetzung der Schulen ab 04.06.1945. Schulrat Zellmer lud die Leiter der Segeroth Volksschulen für den genannten Tag zu einer Vorbereitenden Besprechung in seine Wohnung. Er unterbreitete den Willen der Besatzungsmacht zur sofortigen Inangriffnahme der Aufräumungs- und Wiederherstellungsarbeiten in den zur Verfügung stehenden Tiegelschulen. Die Tiegelschule im Kriege Mit Ausbruch des Krieges mussten die Tiegelschulen wegen ihrer Lage um Gefahrenradius – weniger als 500 m von der Peripherie der Kruppschen Fabrik entfernt – geräumt werden. Tiegel I. wurde in die Beising- Tiegel II. in die Katzenbruchschule verlegt. Die leeren Gebäude belegte von April – Juli 1940 die Organisation Tod, August – Dezember 1940 die Firma Krupp ohne Benutzung als Ausweichstelle im Katastrophenfall. Januar 1941 – Oktober 1944 das Kriegsgefangenen Bau- und Arbeits-Bataillon 225 – etwa 800 Polen – unter Major Cosack, im Frieden Rektor einer Volksschule in Neuß. Major C., ein vorbildlicher militärischer Führer, hielt die Gebäude in musterhafter Ordnung und setzte sie nach jeder Feindeinwirkung bei Fliegerangriffen unverzüglich instand. Den Bedürfnissen militärischen Eigenlebens und Krieges entsprechend, erstellte er kleine Umbauten in der Raumordnung und 2. Luftschutzbunker auf dem Hofe. Ein Volltreffer in den Bunker der deutschen Wachmannschaft am 25.10.1944 forderte 31 Todesopfer. Wohl stand der Segeroth ständig im Zenith feindlicher Flieger, doch blieb die Schule wie durch ein Wunder vor tödlichen Schlägen bewahrt. Der Tribut des Todes veranlaßte die Verlegung des Bataillons nach Steele. Dreizehn obdachlose Familien richteten sich in den Räumen Notwohnung ein. In den Wirren des Kriegsausganges nutzten zweifelhafte Personen die Schule als Unterschlupf. Am 04.06.1945 stand sie ohne Dach, Fenster und Türen, mit zerschmettertem Obergeschoß, Bomben und Splittereinschlägen, ekelerregenden Kot, Urin, Lumpen, Ungeziefer und Unrat widerlichsten Entsetzen als Hohn jeder Kultur und Menschlichkeit vor unseren erschauernden Augen. Reinigung und Einrichtung der Tiegelschule Einige Lehrer unter Leitung des Rektors Herbrich schickten sich an, unter Überwindung ankommenden Unwohles in der Kraft rühmlichsten Berufethos’ das Bild unmenschlichen Grauens in eine schulwürdige Stätte zu wandeln. Selbst den einfachen Frauen des Segeroth widerstrebte trotz guter Bezahlung diese Arbeit, sie lehnten diese entrüstet ab. Im geistigen Hochstand der Lehrer und Erziehungspersönlichkeit reiften Ernst und Frohsinn der Lehrenden zu mutigem Angriff der grausigen Schandmale. Ungeachtet behelfsmäßiger Desinfektion zwang der Massenanfall des Ungeziefers zur Anlegung schwerer Luftschutzanzüge beim Betreten der Räume. Heldischem Antrieb und eiserner Beharrlichkeit gelang nach und nach die Reinigung von 9 Schulklassen. Der Schule fehlte jegliches Inventar. Die Unmoral entarteten Menschen entwendeten jedweden beweglichen Gegenstand ohne Schonung fester Gefüge. Die Herren übernahmen die Beförderung der Bänke von der Turmfeld- und Huttroperschule, sowie einiger Schulmöbel von der Beising- und Katzenbruchschule. Anlauf des Unterrichts Christlicher Erzieherwille der Eltern erwirkte für Essen die konfessionelle Volksschule. Die hergerichteten Räume beherbergten die katholische und evangelische Tiegelschule. Auf Anordnung der Militärregierung öffnete die Volksschule am 09.08.1945 ihre Pforte der Grundschule und am 17.09.1945 den oberen Jahrgängen.
Insgesamt 85 Knaben und 88 Mädchen = 173 Kinder
Die etwa gleich starke ev. Tiegelschule gliederte sich ebenfalls in 6 Klassen mit nur 3 Lehrkräften. Die Leitung hatte Rektor Herbrich. Ende Oktober ging sie in konfessionseigene Hände, vertretungsweise auf Lehrer Hüber über.
Politische Überprüfung der Lehrenden
Die Beschäftigung der Lehrpersonen trug einstweiligen Charakter mit dem Vorbehalt jederzeitigen Widerrufes je nach der politischen Eignung. Die Zugehörigkeit zur NSDAP, ihren Gliederungen und angeschlossenen Verbänden sowie Amt und Tätigkeit in ihrem entschied das Verbleiben in der Schule. Diese politischen Merkmale erfragte ein Bogen der Militärregierung.
Segnung der Schulkreuze
Die Ehrwürdigen Schwestern des Marienheims Essen Segeroth stifteten der Schule schöne Wandkreuze. Eine eindrucksvolle, erhebende Feier mit Schulmesse in der St. Gertrudis Notkirche und anschließenden schulischen Darbietungen in einem würdig geschmückten Klassenraum begrüßte nach kirchlicher Segnung den Einzug Christi am Kreuze in der Schule.
Schulspeisung
Sichtbare Abnahme des Ernährungs- und Kräftezustandes der Kinder veranlaßte die Militärregierung zur Einrichtung der Schulspeisung. Zusätzlich gewährte sie Biskuit- und Erbsenmehl sowie Zucker zur Bereitung einer Suppe. Mit löblichster Sorgfalt richteten die Ehrwürdigen Schwestern des Marienheimes diese Speise her. Jedes Kind erhielt täglich ab 04.12.1945 ¼ l. später ½ l Essen und zahlte je Woche 1 RM . Bei Bedürftigen entfiel die Zahlung.
Entlassung des Rektors Herbrich
Der deutsche Entnazifizierungsausschuß überprüfte ab Mai 1946 sämtliche Leiter der Essener Volks-, Mittel- und Sonderschulen. Die Verordnung der Militärregierung vom 25.07.1946 entließ Rektor Herbrich aus dem Volksschuldienste. Nicht der Fragebogen, sondern eine hinterhältige Anzeige brachte ihn zu Fall. Nur Neid und Bosheit können seine Amtshandlungen ihrer Wahrheit entkleiden und ihm als Nazi oder aktiven Nazi ansinnen. Ohne das Bewußtsein der Schuld scheide ich aus den Sielen meines mit äußerster Hingabe erfüllten Lehrer- und Erzieherseins im Vertrauen auf die Sachlichkeit und Gerechtigkeit entgültiger Entscheidung.
30.08.1946 Otto Herbrich
Neue Schulleitung
Vom 30.08.1946 an wurde die Lehrerin Therese Wenigmann mit der Führung der Schulleiter Geschäfte an der katholischen Tiegelschule beauftragt. Sie war während der ganzen Zeit ihrer Berufsarbeit seit dem Jahre 1911 bis zur Schließung der Schulen im Jahre 1943 an der benachbarten Segerothschule tätig. Und ist daher mit den Verhältnissen der Schule und der Schüler wohl vertraut.
Schwedenspeisung
Außer der eigentlichen Schulspeisung wurde durch das Schwedische Rote Kreuz noch eine besondere Speisung für unterernährte Kinder am Nachmittag eingeführt. Die Kinder bekommen täglich ½ l gute, kräftige Suppe. Etwa 230 Kinder unserer Schule nahmen an der 1. Speisung teil.
Unterrichtsausfall
Wegen großer Kälte und Mangel an Kohlen konnte von Anfang Dezember bis zum Schluß des Schuljahres nur Kurzunterricht erteilt werden.
Rektorin Wenigmann
Mit Rückwirkung vom 01.04.1947 wird die Lehrerin Therese Wenigmann, die seit dem 30.08.1946 mit der Führung der Schulleitung betraut war, zur Rektorin ernannt.
Aufbau der Schule
Trotz eifrigster Bemühungen gab es zum Leidwesen von Lehrern, Eltern und Schülern lange Zeit keinen Fortschritt im Wiederaufbau der Schule. Dann begann man im Herbst 1947 damit, die Räume des Brausebades bezüglich der Mauerschäden herzurichten und die Luftschutzmauer vor den Fenstern desselben niederzulegen. Bis Ostern 1948 aber konnte das Brausebad noch nicht in Benutzung genommen werden, da das Hochbauamt keinen Schreiner finden konnte, der die Fensterrahmen instandsetzte und es auch an Glas mangelte. Mangel an Schreiner und Glas sind auch die Gründe dafür, dass in den Klassenräumern immer noch nicht die Fenster in Ordnung sind, dass Lichtmangel herrscht und ein großer Teil der Heizung durch die Ritzen und Öffnungen verloren geht. Nun sind Maurer dabei, in den Klassenräumen die Schäden zu beseitigen um so die Gefahren zu beheben die durch das herabfallen von Putz gegeben waren. Doch immer noch steht das Schulgebäude ohne Dach da.
Pfingsten 1948 waren 4 Klassenräume wieder völlig hergerichtet. Wände und decken sind von Mauerschäden befreit, frisch geweißt und laden in ihrer Helligkeit wieder zu freudiger Arbeit ein. Nach den Sommerferien waren auch die drei übrigen Klassenräume von den Mauerschäden befreit und mit Innenputz neu versehen. Das Dach wurde gedeckt, ein ganz großer Fortschritt.
Handarbeitsraum
Anfang des Jahres 1950 wurden von der Stadt Tische und Stühle bewilligt, um wieder einen Handarbeitsraum einzurichten. Eine Nähmaschine ist schon vorhanden.
Schuljahr 1950/1951
Das Notwendigste im Aufbau der Schule ist geschehen. Dafür wollen wir dankbar sein. Leider fehlt aber noch sehr viel. Wenn auch die Luken durch neue Klassenfenster ersetzt wurden, fehlen doch immer noch ordentliche dichte Klassentüren, vor allen Dingen auch Türen in den Toiletten. Bedauerlich ist, dass die Räume und das Treppenhaus immer noch keinen Anstrich erhalten haben, dass der Schulhof weder planiert noch eingefriedet ist.
Schuljahr 1953/1954
60 Neuanmeldungen, somit beträgt unsere Schülerzahl 164 Knaben + 188 Mädchen = 352 Schüler.
![]()
| zurück |
| Chronik Auswahl |